Mai 8th, 2012
Jurij Koch berichtet in seinem jüngsten Buch von Kindheitserlebnissen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Es sollen nicht die letzten Lebenserinnerungen sein.
Der Blick geht einen Moment ins Innere, so als würden die Erinnerungen in Gedanken vorbeiziehen. Jurij Koch setzt die Brille auf, schaut in sein Manuskript auf dem Tisch in der Bibliothek in Königswartha. Es wirkt, als würde er ihn auskosten, diesen kurzen Moment der erwartungsvollen Stille im Publikum. Dann beginnt der deutsch-sorbische Schriftsteller seine Geschichte von der “vermutlich letzten Russenjagd… mit Karabinerkolben, mit Feldspaten, mit Messern” und dem “infernalischen Morden zwischen den beiden Schonungen” in der Nähe seines Heimatsdorfs Horka im April 1945. Als kleiner Junge stand er am Rand des furchtbaren Gemetzels, Ohren und Augen zugehalten. Der Geruch der Leichen bleibt.
Dieses Szenario lässt Jurij Koch in seinem jüngsten Werk “Das Feuer im Spiegel” wieder wach werden. Der Untertitel der Neuerscheinung aus dem Bautzener Domowina-Verlag heißt “Erinnerung an eine Kindheit”. Und genau dorthin führt der Schriftsteller aus Sielow bei Cottbus die Leser auf den 120 Seiten. Geboren 1936 in Horka in einer Steinarbeiterfamilie, wird er groß jenseits “harmonischer Kinderjahre”. Wie aus einem Wollknäuel zieht der 75-Jährige die losen Fadenenden und beginnt sie dann wieder aufzuwickeln. “Thomas Mann hat sich ja für seine Figuren vorneweg immer Biografien überlegt. Ich bevorzuge die chaotische Methode”, sagt der Autor. (weiterlesen …)
Kategorien: Domowina-Verlag
April 25th, 2012
Fristlose Kündigung und Hausverbot – so endete 2010 die Zusammenarbeit zwischen dem Sorbischen National-Ensemble in Bautzen und dessen Intendanten Wolfgang Rögner. Jetzt entscheidet das Landgericht Bautzen, ob der Rausschmiss rechtens war. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.
Zwei Jahre schwelte der Streit zwischen dem Sorbischen National-Ensemble und Wolfgang Rögner. Jetzt rückt die Entscheidung in Sicht. Am 7. Juni verhandelt das Landgericht Bautzen erstmals über die Klage des früheren Intendanten und Geschäftsführers gegen die SNE GmbH.
Formal geht es dabei um die Frage, ob die fristlose Kündigung des Ensemblechefs im Jahr 2010 rechtens war. Rögner bestreitet das und fordert Gehalts-Nachzahlungen in Höhe von mindestens 138.000 Euro. Tatsächlich steht aber für beide Seiten mehr auf dem Spiel. Denn die genauen Umstände der Entlassung liegen bis heute im Dunkeln.
Fakt ist: Wolfgang Rögner wurde im Frühjahr 2010 zunächst von seiner Aufgabe als Geschäftsführer des Ensembles entbunden. Später folgten die fristlose Kündigung des Intendanten-Vertrags und ein Hausverbot. Die Vermutungen über die Gründe gehen weit auseinander. (weiterlesen …)
Kategorien: Sorbisches National-Ensemble
April 17th, 2012
Die Diskussion um eine Fusion der beiden Bautzener Bühnen lebt wieder auf. Den Anstoß dazu gibt der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, Marko Suchy. Wie schon vor zehn Jahren schlägt er erneut ein Zusammengehen des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters mit dem Sorbischen National-Ensemble (SNE) vor. Damals scheiterte die Idee, und auch heute sind die Aussichten ungewiss.
Die Argumente für ein Zusammengehen sind dieselben wie 2003: Beide Häuser liegen nah beieinander. Werkstätten und Verwaltung könnten gemeinsam genutzt werden und so mit weniger Mitarbeitern auskommen. Im künstlerischen Bereich ergänzen sich die Bühnen hingegen: Das SNE verfügt über Ballett, Chor und Kammerorchester; das Bautzener Theater über Schauspiel und Puppenbühne. Überschneidungen gibt es hier nicht.
Erstmals unterbreitet hat der Stiftungsdirektor seine Idee vor wenigen Tagen. Auf Einladung der SPD diskutierte er gemeinsam mit den Landräten und den Intendanten über die Zukunft der Theater in der Oberlausitz. Vor allem der Görlitzer Landrat Bernd Lange reagierte dabei sichtbar getroffen auf Suchys Vorstoß. Bedeutet doch eine kleine Fusion in Bautzen zugleich die Absage an eine große Lösung : das Zusammengehen der drei Theater in Bautzen, Görlitz und Zittau. (weiterlesen …)
Kategorien: Deutsch-Sorbisches Volkstheater
April 12th, 2012
“Tiger im Pyjama” heißt ein neuer Band aus dem Domowina-Verlag. Er versammelt Gedichte von Benedikt Dyrlich. Der Bautzener Lyriker publiziert seine Texte in Sorbisch und Deutsch. Dabei übersetzt er seine Gedichte nicht nur, sondern trägt sie auf die andere Seite des Stroms.
Der Mann trägt einzig Schuhe und Socken. Die Frau verschränkt nackt die Arme vor dem Bauch. Erst wenige Minuten ist ihre Lust alt, die Zebradecke liegt noch zu ihren Füssen auf dem Boden. Die Welt steht Kopf und doch sieht Glück irgendwie anders aus. „Schlafzimmer“ hat das bekannte Maler Georg Baselitz 2005 dieses Gemälde genannt – und wunderbar nimmt das Bild die facettenreiche Stimmung des neuen Gedichtbands „Der Tiger im Pyjama“/ „Tiger w nócnej košli“ von Benedict Dyrlich auf. Mal laut, mal leise spielt der sorbische Lyriker in diesen Buch mit der Vielfalt der Liebe, den Aufs und den Abs, dem eigenen Frühling und dem beginnenden Herbst.
Der Gedichtband aus dem Bautzener Domowina-Verlag versammelt Lyrik und Prosa auf Deutsch und Sorbisch aus den vergangenen 40 Jahren. „Ich konnte nie romantische Liebesbekenntnisse schreiben. Über die Jahre sind meine Texte ein wenig ruhiger worden und vielleicht nicht mehr ganz so hitzig wie am Anfang meines Schreibens“, sagt der 61-Jährige.
Schon früh interessiert sich der Junge aus Neudörfel für Literatur, liest Jakub Bart-Ćišinski und Handrij Zejler – bedeutende sorbische Dichter – ebenso wie Heine oder Goethe. Seine ersten Zeilen verfasst er mit 17 Jahren. Er wird ein Wanderer zwischen den Sprachwelten. (weiterlesen …)
Kategorien: Domowina-Verlag
März 28th, 2012
40 Jahr lang hat der Fotograf Erich Schutt den Wandel der Niederlausitz begleitet. Jetzt versammelt ein Bildband aus dem Domowina-Verlag seine wichtigsten Arbeiten.
Was mag der Mann rechts mit der Brille für einen Witz erzählen? Die Pointe scheint auf jeden Fall zu stimmen, denn an Lippen des Stuckateurs in den weißen Arbeitshosen hängt die gesamte Brigade. Ein Lachen liegt den Männern im Gesicht. Ihre Fröhlichkeit steckt den Betrachter an. „Stuckateur-Brigade“ heißt das Bild aus dem Jahr 1968. Zu sehen ist es im Buch „Erich Schutt – Fotografien der Niederlausitz 1948 bis 1991“. Der Bildband erschien jetzt im Domowina-Verlag. Er reiht sich in die bereits erschienenen Publikationen des Bautzener Verlags zu den sorbisch/wendischen Fotografen Erich Rinka und Pawol Rota ein.
Erich Schutt gehörte zu den namhaften Bildjournalisten der DDR. Zwischen 1952 und 1994 arbeitete er bei der Lausitzer Rundschau als Pressefotograf und dokumentierte so über vier Jahrzehnte die Ereignisse und Veränderungen seiner Heimat, der Niederlausitz.
Die Fotografie entdeckte der Vetschauer bereits in Kindertagen. (weiterlesen …)
Kategorien: Domowina-Verlag
März 23rd, 2012
Modernes Tanztheater trifft Folklore: Die bekannte Choreografin Vivienne Newport entwickelt gemeinsam mit dem Sorbischen National-Ensemble ihre Interpretationen von Unabhängigkeit. Heute erlebt das Stück an der Neuen Bühne Senftenberg seine Uraufführung.
Behutsam und mit viel Liebe hat Vivienne Newport das Ballett des Sorbischen National-Ensembles in den vergangenen Wochen in die Hände genommen. „Wir sind auf eine ungewöhnliche Reise gegangen und haben uns in der Mitte getroffen“, sagt die Choreografin. Die Engländerin gilt als herausragende Protagonistin des neuen deutschen Tanztheaters. Die Tänzerinnen und Tänzer vom SNE waren bislang eher im Folklorefach zu Hause. Gemeinsam entwickelten sie nun das Stück „Serbska swoboda – Ein Stück Freiheit“. Premiere feiert ihre Interpretation von Unabhängigkeit, Ungebundenheit und Autarkie am 23. März im Theater Senftenberg.
Die Idee für modernes Tanztheater am Sorbischen National-Ensemble trug SNE-Intendantin Milena Vettraino schon länger mit sich herum. „Es geht darum, ungewöhnliche Schritte zu gehen, vielleicht auch eine Hemmschwelle zu überwinden – im Ensemble und Publikum“, sagt die Intendantin. Mit Vivienne Newport als Choreografin und dem Komponisten Samuel Dalferth gewann sie für diese Herausforderung ein perfektes Duo. (weiterlesen …)
Kategorien: Sorbisches National-Ensemble
März 21st, 2012
Die sorbischen Schulen stehen vor einer doppelten Herausforderung. Das geht aus aktuellen Berichten des MDR und der Tageszeitung Serbske Nowiny hervor. Während einerseits die Schülerzahlen sinken, fehlt andererseits der Nachwuchs, um frei werdende Lehrerstellen zu besetzen.
Konkret haben sich für die neuen fünften Klassen an den sorbischen Schulen 173 Schüler angemeldet. Sie werden ab Herbst das Sorbische Gymnasium in Bautzen und die sorbischen Mittelschulen besuchen. Nach Angaben des MDR ist die Zahl der Anmeldungen damit gegenüber 2011 um 30 gesunken – ein Rückgang von mehr als zehn Prozent. – Zugleich berichtet Serbske Nowiny von wachsenden Problemen bei der Stellenbesetzung. Nach dem Bericht der Zeitung werden bis zum Jahr 2020 an den sorbischen Schulen in Sachsen 54 Stellen frei: 23 davon an den sorbischen Grundschulen, 20 an den Mittelschulen und 11 am Sorbischen Gymnasium.
Die Zeitung bezieht sich dabei auf eine Analyse des Sorbischen Schulvereins. Dieser hat ermittelt, dass den 54 Abgängen nur 31 Lehramtsanwärter am Sorabistischen Institut der Leipziger Universität gegenüberstehen. Es zeichne sich somit bereits jetzt eine Lücke von mindestens 23 Lehrkräften ab.
Lücken gibt es allerdings nicht nur an den sorbischen Schulen. In der gesamten Oberlausitz droht ein Lehrermangel. Bis 2017 wird in den Landkreisen Bautzen und Görlitz die Hälfte der heutigen Lehrerschaft im Ruhestand sein, berichtet die Sächsische Zeitung.
Viele Schulen stellt das vor große Probleme: Denn die freiwerdenden Stellen werden nur zum Teil neu besetzt. Zudem wird es nach Angaben der Zeitung immer schwieriger, überhaupt Absolventen zu finden, die freie Lehrerstellen in der Oberlausitz antreten.
Weiterführende Links
Überblick über das Sorbische Schulnetz in Sachsen
Sorbischer Schulverein
Foto: sachsen-macht-schule.de
Kategorien: Schule
März 7th, 2012
Die Initiative für eine Sorbische Volksvertretung hat einen Teilerfolg erzielt. Auf ihrem Landesparteitag am Wochenende in Görlitz nahmen die sächsischen Grünen die Forderung der Initiativgruppe auf. Die Delegierten beschlossen, dass eine demokratisch legitimierte Volksvertretung der Sorben in der sächsischen Verfassung verankert werden soll. Damit erreicht diese Idee erstmals die sächsische Landespolitik.
Von einer Verwirklichung ist sie gleichwohl noch weit entfernt. Dafür müsste sowohl in Sachsen als auch in Brandenburg eine breite politische Mehrheit gewonnen werden. Zudem gibt es auch von sorbischer Seite Vorbehalte. So wird zum einen die Gefahr einer Spaltung der Sorben gesehen. Zum anderen stellen sich zahlreiche praktische Fragen – etwa, wer für die Volksvertretung überhaupt wahlberechtigt sein sollte. Die sächsischen Grünen treffen hierzu in ihrem Parteitagsbeschluss keine Aussage. Über die konkrete Gestalt der Vertretung soll nach ihren Vorstellungen das sorbische Volk selbst entscheiden.
Die Initiative für eine sorbische Volksvertretung hat sich im Frühjahr 2011 gegründet. Ihr gehören Kommunalpolitiker, Künstler und Wissenschaftler aus Ostsachsen und Südbrandenburg an. Ihre Forderungen werden mittlerweile von mehr als 200 Unterzeichnern unterstützt. Ziel der Gruppe ist die Schaffung einer frei gewählten Volksvertretung, die über alle zentralen Belange der Sorben entscheidet – bis hin zur Verteilung der finanziellen Mittel.
Die Initiative richtet sich damit insbesondere gegen die zentrale Rolle der Stiftung für das sorbische Volk. (weiterlesen …)
Kategorien: Domowina, Sorbische Stiftung, Volksvertretung
Februar 12th, 2012
Vor sechs Monaten kam der Prager Richard Bígl von der Moldau an die Spree. Bei der sorbischen Monatszeitschrift Rozhlad fand der Großstädter seinen Traumberuf. Doch er sagt auch: „Die Sorben untereinander sind oft zu nachsichtig. Das gesunde Funktionieren einer Kultur braucht Kritik“.
Das Büro ist schmal. An den Wänden stehen Bücherregale. Darüber schlängeln sich lange Philodendron-Ranken mit Herzblättern an der Wand entlang. Unter dem Tisch warten die Winterstiefel. Richard Bígl nickt freundlich von seinem Schreibtisch vor dem Fenster. Darauf stapeln sich Manuskripte, Bücher und Papiere. Griffbereit liegt gleich ein Wörterbuch Obersorbisch-Deutsch. Der 38-Jährige beendet schnell das Telefonat und nimmt einen Schluck aus seiner Teetasse. Seine Füße stecken in Hausschuhen. „Das nächste Rozhlad-Heft muss nächste Woche in den Druck. Es ist noch viel zu tun“, sagt der Chefredakteur der sorbischen Kulturzeitschrift.
Im Gefolge der Raubritter
Richard Bígl nimmt seine Brille in die Hand und fährt sich durch den Bart. Der Prager kam vor einem halben Jahr von der Moldau an die Spree. Durch eine Anzeige erfuhr der promovierte Slawist von der Aufgabe im Domowina-Verlag in Bautzen und bewarb sich kurzentschlossen per E-Mail. Das Monatsheft kannte er aus Leser-Sicht, die Aufgabe traute er sich zu. Beim Bewerbungsgespräch glänzte er in sorbischer Konversation und bekam die Stelle. „Die Lausitz war für mich immer ein Land, das mich interessierte. Erst am Wochenende durfte ich beim Fastnachtsumzug in Jänschwalde dabei sein“, sagt er begeistert. Dann setzt er sich wieder die Brille auf. Es klopft an der Tür. (weiterlesen …)
Kategorien: Domowina-Verlag, Person
Februar 4th, 2012
Vor 69 Jahren wurde der sorbische Priester im Konzentrationslager Dachau ermordet. Ein Theaterstück ruft sein Schicksal in Erinnerung.
Mit einer Giftspritze beendeten am 3. Februar 1943 die Nationalsozialisten im Dachauer Konzentrationslager heimtückisch das kurze Leben des sorbischen Priesters Alois Andritzki. Der Häftling mit der Nummer 27829 gehörte zu den unbequemen Menschen im Dritten Reich. Öffentlich und mutig prangerte der katholische Theologe die Verfolgung Geistlicher und Gläubiger durch die Nationalsozialisten an und verleugnete niemals seine sorbischen Wurzeln. Im Juni vergangenen Jahres sprach Papst Benedikt XVI. den Geistlichen selig. Seine Geschichte vom lebensbejahenden Jungen aus Radibor bis zum Tod im KZ erzählt das Theaterstück „Wende Andritzki“ von Adam Ryszard Prokop.
Mit der Aufführung dieses Stücks startet heute (4. Februar) die Veranstaltungsreihe 2012 der „Schmochtitzer Bühne“. Aufgeführt wird es von Jugendgruppen der katholischen Gemeinden aus Gera, dem Saale-Holzland-Kreis und Zittau im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz. Das Dorf in der Nähe Bautzens war für Andritzki ein besonderer Ort. Er lebt dort nach seinem Theologie-Studium 1938 im Priesterseminar.
„Premiere hatte das Andritzki-Stück bei der Bistumsjugendwallfahrt einen Tag vor der Seligsprechung in Dresden“, sagt Peter-Paul Straube, der Rektor des Benno-Hauses. Der Autor selbst hat die Inszenierung mit den Jugendlichen einstudiert. Prokop wurde 1980 im polnischen Wrocław geboren. Er studierte Theologie in Erfurt. Zwei Jahre später wurde er zum Priester der Diözese Dresden-Meißen geweiht und arbeitete bis 2009 als Kaplan und Jugendseelsorger in Zittau. Danach wechselte er in denselben Funktionen nach Gera.
Auch in Bautzen wird an Andritzki erinnert. Auf Initiative der Stadträte wurde in der Andritzki-Straße im Allende-Viertel ein Schild mit persönlichen Angaben angebracht. Dieses gibt in deutscher und sorbischer Sprache Auskunft über den Geistlichen.
„Wende Andritzki“, Theaterstück, von Adam Ryszard Prokop am 4. Februar um 19.30 Uhr im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz sowie am 5. Februar um 16 Uhr in der Pfarrei in Crostwitz.
Kategorien: Andritzki
Februar 2nd, 2012
Die Domowina hat neue Pläne für das ehemalige sorbische Restaurant. Geplant sind Vereins- und Vortragsräume und ein Sendestudio für den MDR. Radio Lausitz musste hingegen draußen bleiben.
Neue Perspektiven für das Café „Bjesada“ im Haus der Sorben: An Stelle des Restaurants sollen ein Veranstaltungsraum für 70 Besucher sowie ein Vereinszimmer entstehen. Außerdem ist ein Aufnahmestudio für den MDR geplant. Bereits jetzt ist der Sender mit Büros und Studios im Haus der Sorben vertreten. Er produziert dort unter anderem ein dreistündiges sorbisches Frühprogramm.
Da sich die MDR-Räume in den oberen Etagen befinden, ist die Präsenz nach außen kaum sichtbar. Mit dem neuen Studio könnte sich das ändern. „Dort könnte dann zum Beispiel das sorbische Jugendmagazin Satkula aufgezeichnet werden“, sagt Domowina-Chef David Statnik. Der Verband ist Eigentümer des Hauses. Wann der Umbau beginnt, ist aber noch offen.
Erarbeitet wurde das Konzept von den sorbischen Vereinen. Auch das MDR-Landesfunkhaus war in die Gespräche einbezogen. „Dabei gab es auch Überlegungen, die MDR-Studios komplett ins Bjesada zu verlegen“, sagt Statnik. Diese Variante wurde jedoch verworfen, da der sorbische Rundfunk nur bis 8 Uhr live sendet. Das Sendestudio würde daher tagsüber leer stehen.
Das „Bjesada“ wurde im Februar 2010 geschlossen und steht seitdem leer. Ursprünglich sollt es wieder als Restaurant vermietet werden. Doch dafür fand sich kein Interessent. Dafür meldete sich Radio Lausitz. Der private Hörfunksender zieht von Görlitz nach Bautzen. Ursprünglich wollt er sein neues Studio im Bjesada eröffnen.
Das lehnte die Domowina jedoch ab. Anders als der MDR habe Radio Lausitz keinen sorbischen Programmanteil, so der Bundesvorstand. Dies verstoße gegen die Nutzungskonzeption des Hauses der Sorben. Nach der Absage suchte sich der Radiosender ein neues Objekt im Gewerbegebiet an der Wilthener Straße in Bautzen. Dort startet demnächst der Sendebetrieb.
(Text: Miriam Schönbach)
Kategorien: Domowina, MDR sorbisch
Januar 30th, 2012
Die Domowina sagt Nein zur geplanten Abbaggerung weiterer 310 Millionen Tonnen Braunkohle im Tagebau Nochten. Nach Plänen des Energiekonzerns Vattenfall und der sächsische Landesregierung sollen dafür mehr als 1 500 Menschen in der Region Schleife umgesiedelt werden. „Trotz aller vorgeschlagenen Ausgleichs-Maßnahmen hätte dies unabsehbare Folgen für eine sehr sensible Region“, sagte der Vorsitzende der Domowina, David Statnik, bei der Bundesvorstandssitzung am Wochenende in Bautzen.
Die sorbische Dachorganisation steht mit ihrer Kritik nicht allein. Mehr als 500 Vereine, Behörden, Kommunen und Umweltverbände haben sich mit Hinweisen und Einsprüchen an den Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien gewandt.
Die Sorben sehen in den Braunkohle-Plänen eine Bedrohung ihrer Sprache und Kultur. Als Beispiele nennen sie die einzigartige Schleifer Tracht, die Tradition der Kantorki-Sänger und den Nepila-Hof Rohne, der an den sorbischen Schriftsteller Hanzo Nepila erinnert.
Sollte Vattenfall die Genehmigung zur Fortführung des Tagebaus erhalten, fordert die Domowina ein verbindliches Konzept zur Stärkung der sorbischen Sprache und Kultur. (weiterlesen …)
Kategorien: Abbaggerung
Januar 18th, 2012
Als Kind lauschte Hauke Tesch Geschichten von Kobolden und Riesen. Für die Abendvogelhochzeit des Sorbischen National-Ensembles inszenierte der Cottbuser jetzt ein modernes Märchen. Noch bis Anfang Februar ist das SNE mit dem Stück “Nächtliche Begegnungen” in der Lausitz zu sehen.
Hauke Tesch setzt sich den Hut auf den Kopf. Schnell nimmt er die Treppe im Sorbischen National-Ensemble. Im Vorbeieilen grüßt er noch kurz Anna-Maria Bretschneider. „Wir sehen uns gleich“ ruft er der Sängerin im Aufgang zu. Der Opern-Spielleiter des Staatstheaters kommt gerade aus Cottbus, um in Bautzen die letzten Absprachen für die Premiere der Abendvogelhochzeitsinszenierung zu führen. Für das Stück „Nächtliche Begegnungen“ heuerte das SNE den ausgebildeten Sänger als Regisseur an.
Die Geschichte der Inszenierung ist schnell erzählt. (weiterlesen …)
Kategorien: Sorbisches National-Ensemble
Januar 10th, 2012
Die Chancen auf einen Erhalt des Bautzener Landgerichts schwinden. Am Dienstag passierte die umstrittene Verwaltungsreform auch den letzten Ausschuss des Landtags – trotz der Proteste von sorbischer Seite.
Die Tage des Bautzener Landgerichts sind gezählt. Im Zuge des Verwaltungsumbaus in Sachsen soll es zur Außenstelle des Görlitzer Landgerichts herabgestuft werden. Dagegen regt sich in Bautzen seit Monaten Protest. Aus unterschiedlichen Gründen: Kommunalpolitiker, Richter und Staatsanwälte zweifeln vor allem am Nutzen der Gerichtsfusion. Denn selbst das sächsische Justizministerium räumt ein, dass durch die Zusammenlegung der Gerichte kaum Geld gespart werden kann.
Vertreter der Sorben verweisen hingegen vor allem auf die Möglichkeit, vor Gericht Sorbisch sprechen zu dürfen. Denn – zumindest in der Theorie – steht ihnen dieses Recht zu. Praktisch werde das Recht der Sorben hingegen ignoriert, kritisiert die Bundestagsabgeordnete Maria Michalk (CDU). (weiterlesen …)
Kategorien: Rat für sorbische Angelegenheiten, Sprache
Dezember 16th, 2011
Die Domowina bekommt zum 100.Geburtstag ein besonderes Geschenk. Anlässlich des Jubiläums erscheint im kommenden Jahr eine Sonderbriefmarke. Für die sorbische Minderheit ein wichtiges Zeichen. Immerhin setzte sie sich mit dem Motiv „100 Jahre Domowina“ gegen 1700 andere Vorschläge durch. Pro Jahr bewilligt das Bundesfinanzministerium deutschlandweit nur 50 Sondereditionen. Wie die Briefmarke aussehen wird, bleibt vorerst ein Geheimnis. Nur so viel verrät Domowina-Geschäftsführer: Bernhard Ziesch: „Ein Lindenblatt wird darauf nicht zu sehen sein.“ Das Lindenblatt gilt als nationales Symbol der Sorben.
Die Präsentation der Briefmarke ist allerdings nur ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr. Geplant sind mehr als 40 Veranstaltungen in der gesamten Lausitz. Das Spektrum reicht von Konzerten über wissenschaftliche Tagungen bis zu Sportereignissen. So laden die Sorben im Jahr der Fuball-EM in Polen und der Ukrainie zu einem eigenen Fußballfest ein. Die Europeada, die 2012 in der Lausitz stattfindet, ist die Europameisterschaft der ethnischen Minderheiten. Vom 15. bis 19. Juni treten auf hiesigen Fußballplätzen 20Mannschaften an, darunter auch der Titelverteidiger aus Südtirol.
Natürlich ist es der größte Wunsch von Bernhard Ziesch, dass die sorbische Fußball-Auswahl im Finale auf der Bautzener Müllerwiese den Titel holt. – Während die Trainer der Minderheitenmannschaften noch bis zum Sommer Zeit haben, ihre Auswahl vorzubereiten, sind es bis zum Start des Jubiläumsjahres nur noch wenige Tage. (weiterlesen …)
Kategorien: Deutsch-Sorbisches Volkstheater, Domowina, Europeada, Sorbisches Institut, Sorbisches National-Ensemble