Sorbische Stiftung hat neuen Vorsitzenden

April 29th, 2015

Der Medientechniker Jan Budar wurde am Dienstag einstimmig gewählt. Zu einer anderen wichtigen Personalie steht die Entscheidung hingegen noch aus.

Der Rat der Stiftung für das sorbische Volk hat einen neuen Vorsitzenden. Über die Funktion des Stiftungsdirektors wurde hingegen keine Einigkeit erzielt. Das wurde am Dienstag  nach der Sitzung des Stiftungsrates bekannt. Neuer Vorsitzender des Gremiums ist demnach Jan Budar. Der Diplomingenieur  und Medientechniker wurde einstimmig gewählt. Der 40-jährige Bautzener löst Helene Theurich aus Cottbus  ab, die das Amt seit 2007 innehatte. Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates bleibt der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU). Dem höchsten Organ der Stiftung gehören 15 ordentliche Mitglieder an.

Zu den wichtigsten Zielen des Stiftungsrates für die kommenden vier Jahre zählen die bessere Kommunikation zwischen der Stiftungsverwaltung, den sorbischen Einrichtungen und allen sorbischen Gremien in der Lausitz. Entgegen der bisherigen Förderrichtlinie sollen zudem künftig  auch Projekte außerhalb des sorbischen Siedlungsgebietes gefördert werden. Als Beispiel wurde der Dresdner Verein “Stup dale“ genannt.

Weiterhin unklar ist hingegen, wer neuer Direktor der Stiftung für das sorbische Volk wird. Wie der Vorsitzende des Stiftungsrates, Jan Budar, nach der Beratung sagte, erhielt keiner der beiden Bewerber die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Der Stiftungsrat habe daher entschieden, die Stelle neu auszuschreiben. Sie soll nun ab dem 1. Juli 2016 neu besetzt werden. Um die Suche nach einem geeigneten Kandidaten zu forcieren, soll eine Findungskommission gebildet werden. Ebenso stehe die Frage, ob ein Personaldienstleister die Kandidatensuche unterstützen könne.

Für die Übergangszeit –  so der Wunsch – der Stiftungsräte soll Stiftungsdirektor Marko Suchy weiter im Amt bleiben. Er steht der Stiftungsverwaltung seit  23 Jahren vor. Suchy erklärte, er habe hierzu noch keine Entscheidung getroffen.

Kategorien: Sorbische Stiftung

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Ist die Domowina zu leise?

März 26th, 2015

David Statnik„Die Domowina soll sich schrittweise und überlegt verändern“- dieses Credo formulierte David Statnik vor zwei Jahren, kurz vor seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden des sorbischen Dachverbands. Am Sonnabend wird der 31-Jährige vor den 105 Delegierten der Hauptversammlung in Dreikretscham/Haslow erneut Bilanz ziehen. Vor der Tagung sprach sorbenland.info mit Statnik über den Wandel und die Zukunft der Vereinigung.

Herr Statnik, über viele Jahre meldete sich die Domowina gern stimmengewaltig zu sorbischen Themen zu Wort. Derzeit ist es ruhig im Bund Lausitzer Sorben. Warum ist die Stimme so leise?
Wir sind keineswegs leise. Wir versuchen Inhalte ruhig und sachlich anzugehen, die Probleme mit den Menschen gemeinsam und ohne öffentliches Spektakel zu lösen. Denn Themen gibt es genügend für uns: der Braunkohleabbau genauso wie die Bedrohungen sorbischer Jugendlicher.

Sie meinen die Übergriffe auf Jugendliche im September 2014 in Ostro? Wie vertritt die Domowina bei diesem Thema die Interessen der Sorben?
Wir dokumentieren Straftaten und wollen politische Entscheidungsträger sensibilisieren. Nach unseren Gesprächen im November mit dem Innenministerium zeigt die Polizei nun eine stärkere Präsenz an den Orten, an denen es die Bedrohungen gab. Wir fordern außerdem vom Freistaat, Polizeidienststellen wieder besser zu besetzen.

Aber Papier ist geduldig …
Das mag sein, wir müssen aber unser Gewicht an dieser Stelle mit in die Waagschale werfen. Ganz praktische Unterstützung haben wir den Opfern gegeben. Sie werden häufig vergessen, wenn es um die Straftaten geht. Wir haben unter anderem Kontakt zum Verein „Augen auf – Zivilcourage zeigen“ aufgenommen und sorbische Jugendliche informiert, wie sie in gefährlichen Situationen reagieren müssen.

Einige Menschen, auch Sorben, sagen, dass es solche Pöbeleien schon immer zwischen Deutschen und Sorben gab. Was hat sich im vergangenen Jahr Ihrer Meinung nach verändert?
Wir mussten im vergangenen Jahr erleben, dass organisiert und gezielt gegen Sorbisches vorgegangen wurde. Die Dunkelziffer der Straftaten ist womöglich noch viel größer. Das hat auch nichts mehr mit kulturellen Reibungen zu tun. Es muss doch in der Lausitz möglich sein, dass alle Bewohner ihre Kultur pflegen können und sich gegenseitig mit Respekt behandeln. Ansonsten sehen Jugendliche hier keine Zukunft mehr. Dieses Gefühl dürfen sie auf keinen Fall bekommen.

Auch das Thema Braunkohle sorgt für Reibungen. Kritiker meinen, der Dachverband äußere sich zu zaghaft zur Abbaggerung sorbischer Dörfer.
Wir haben uns klar gegen den Braunkohleabbau positioniert, wenn sorbische Siedlungen betroffen sind. Darüber hinaus setzen wir uns mittelfristig für eine Energiewende ohne Braunkohlestrom in Deutschland ein. Gleichzeitig verweisen wir aber auch darauf, dass die Meinungen der Betroffenen beachtet werden müssen. Das ist eben nicht nur schwarz oder weiß.

Fakt ist aber, dass mit Nochten II den Dörfern Rohne, Mulkwitz, Mühlrose, Schleife Süd, Klein-Trebendorf und Trebendorf- Hinterberg die Abbaggerung droht.
Richtig, aber wir sind mit den Hornoer Bürgern schon mal bis vor den Europäischen Gerichtshof gezogen, leider erfolglos. Daraus haben wir gelernt. Wir müssen pragmatisch denken und alle Optionen beachten. Wenn doch eine Umsiedlung droht, dann müssen wir den Betroffenen die Chance geben, ihre Identität zu bewahren und eine neue seelische Heimat zu finden.

Warum arrangieren sich viele Sorben dennoch mit der Braunkohle?
Die Braunkohle verbindet sich mit vielen Schicksalen. Zwar macht uns auch die Verockerung der Spree Sorgen. Denn vom Fluss leben Tourismus und Fischzucht im Spreewald. Doch darf der Lausitz nicht dasselbe Schicksal widerfahren wie einst dem Ruhrgebiet, das noch immer stark mit den wirtschaftlichen Veränderungen zu kämpfen hat. Einer solchen Entwicklung müssen wir mit aller Kraft etwas entgegensetzen.

Was können Sie aber diesen Entwicklungen entgegensetzen? Da landen wir doch schnell bei „David gegen Goliath“.
Wir müssen mit einer Stimme sprechen – trotz aller Unterschiede. Uns eint alle, dass wir der nächsten Generation eine lebendige Kultur übergeben wollen. Innersorbische Konflikte behindern unsere Leistungsfähigkeit. Wir Sorben leben nicht mehr in einer geschlossenen Kultur. Vieles befindet sich im Umbruch. Es gibt viele zarte Pflänzchen des Miteinanders, die wir lebensfähig machen müssen. Zusammengetragen haben wir unsere Ziele im neuen Domowina- Programm 2025.

Woran denken Sie bei den „zarten Pflänzchen“ ganz konkret?
Spontan fällt mir das Witaj-Projekt ein. Die Zweisprachigkeit hat damit viele erreicht, die ihre Sprache bereits abgelegt hatten. Ebenso sei auf Bestrebungen in Göda oder auch Dresden verwiesen, wo Eltern mehr Angebote in Sorbisch einfordern. Da helfen wir. Gleichzeitig müssen wir als Domowina mit dem Sorbischen Schulverein dafür sorgen, dass sich unsere Jugendlichen für ein Lehramtsstudium entscheiden. Hierzu sind wir mit dem Kultusministerium im intensiven Gespräch. Auch das Internationale Folklorefestival ist ein gelungenes Beispiel für Weltoffenheit. Dieses Jahr erwarten wir wieder zehn Ensembles aus aller Welt und Tausende Gäste.

Welche Ziele finden sich noch für die Generation 2025?
Wir müssen neue Wege denken und neue Märkte erschließen, ohne unser eigenes Bewusstsein zu verkaufen. Sanfter, authentischer Tourismus ist ein Stichwort für mich. Die Domowina und ihre Mitgliedsvereine sehen sich hier als Netzwerker, um Projekte anzuschieben.

Diese Diskussionen gab es schon, und traditionelle Sorben kritisierten, eine Kultur dürfe nicht vermarktet werden.
Trotzdem müssen wir darüber reden. Wir müssen den kommenden Generationen eine Zukunft bieten und zwischen der inneren und äußeren Kultur unterscheiden. Das Ostereierverzieren und viele andere Bräuche werden immer Teil der sorbischen Tradition bleiben. Gleichzeitig können wir den Verkauf der Ostereier wirtschaftlich betrachten. Das Sorbische ist längst ein regionales Thema. Das Miteinander zweier Völker auf einem Fleck ist etwas ganz Besonderes, ein Reichtum, den es zu bewahren und zeitgemäß zu entwickeln gilt.

Gespräch/Foto: Miriam Schönbach

Kategorien: Domowina, Person

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Maria Kubasch – Wanderin zwischen zwei Welten

März 2nd, 2015

Eine neue Biografie beleuchtet das Leben der sorbischen Schriftstellerin. Um ihren Platz in einer Männerwelt musste sie kämpfen.

Biografie Maria Kubasch

In die Ferne schaut Maria Kubasch auf dem Schwarz-Weiß-Bild des bekannten Fotografen Erich Schutt. Die Haare sind hochgesteckt, das Kleid schmückt ein schlichter, weißer Kragen. Um den Hals liegt eine Kette, vielleicht aus Bernstein. Ein leichtes Lächeln umspielt die Augen der bekannten sorbischen Schriftstellerin.

Das Bild entstand schon hochbetagt vor ihrem Elternhaus im Dörfchen Quoos. Dort erblickte die Sorbin am 7. März 1890 das Licht der Welt. Ihre außergewöhnliche Biografie stellt die Autorin Trudla Malinkowain in einem neuen Buch aus dem Domowina-Verlag vor.

Bei der Entstehung des Fotos ist Maria Kubasch auf dem Höhepunkt ihres literarischen Schaffens. Ihre Bücher über Maria Grollmuß und Alojs Andritzki gehören in den 1960er Jahren zu den meistverkauften Büchern des Domowina-Verlags. Doch schon vor ihrer Schriftsteller-Karriere behauptet sich die Frau mit dem strengen Blick als erste sorbische Lehrerin.

Dieser Weg ist bei der Geburt des kleinen Mädchens nicht vorhersehbar. Die Pädagogik liegt seinerzeit in den Händen der Herren, Nonnen oder junger Fräuleins aus gutem Hause, die sich die teure Ausbildung leisten können. Aus einem solchen Hause kommt Maria Kubasch wahrlich nicht. Auf alten Fotografien duckt sich das elterliche Umgebindehaus mit wilden Weinreben ins Unscheinbare.

Von Mittagsfrau und Irrlichtern

Die Eltern Nikolaus und Magdalena Kubasch freuen sich über die Ankunft der kleinen Maria. Sie wird lange Zeit ihr einziges Kind bleiben. Der Vater bewirtschaftet fünf Hektar Land und füttert vier Kühe im Stall, die Mutter packt in der Landwirtschaft mit zu. Dagegen nimmt sich die Großmutter Zeit. In ihrem großen Sessel nah dran am knisternden Ofen hört das kleine Mädchen die ersten sorbischen Sagen und Märchen: von Wassermann, Mittagsfrau und den Irrlichtern. Marias Vater – ein belesener Mann – spickt diese Erzählungen mit historischen Fakten. Ostern 1896 kommt das Mädchen in die Volksschule nach Radibor. Eine gute halbe Stunde brauchen die kurzen Beinchen für den Lauf über die Feldwege.

Maria Kubasch

Aber den Weg scheut sie nicht. Wissbegierig saugt sie alles Wissen auf. Ihr Lehrer Jan Andriczki rät den Eltern, das kluge Kind mit zwölf Jahren ins Ursulinenkloster nach Erfurt zu schicken. Leisten können sie sich das nicht, trotzdem lassen sie das Kind ziehen. Sie dankt es ihnen bis ins hohe Alter.

Maria Kubasch wechselt die sorbisch-katholische Tracht gegen die gutbürgerliche deutsche Kleidung. Und nicht nur das, wie die Wissenschaftlerin Trudla Malinkowa in ihrer Biografie berichtet: „Erfurt eröffnete der sorbischen Bauerntochter aus dem kleinen Dorf in der Lausitz neue Welten“. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten lernt sie emsig. Sieben Jahre bleibt sie fern der Heimat. Es ist der Beginn einer Wanderung zwischen zwei Welten. Für keine will sie sich entscheiden. Denn: „Maria Kubasch war keine Sorbin mehr, die sich mit dem Leben zufriedengeben konnte, das sorbischen Frauen bestimmt war, und sie war keine Deutsche, denn sie konnte und wollte die nationale Herkunft nicht vergessen.“

Schule des Lebens im Ruhrgebiet

Von Erfurt geht die junge Frau nach Duisburg. Als 19-Jährige übernimmt sie eine siebte Klasse mit 70 Schülern. Mit Zuneigung, großem Wissen und ganz ohne Rohrstock widmet sie sich ihren Schützlingen. Viele von ihnen sind verwahrloste Kinder aus den ärmsten Arbeitervierteln. Die Zeit in Duisburg wird für Maria Kubasch zur Schule des Lebens. Doch in der Oberlausitz wird die junge Pädagogin schon erwartet. Nach kurzem Zögern folgt sie 1911 dem Ruf des Kamenzer Schulrats und wird Lehrerin in Crostwitz: Als erste Frau wird sie dort in die Freie Vereinigung katholischer Lehrer aufgenommen.

Für die Sorbin folgen schwere Tage. Die Crostwitzer Bauern können sich nur schwer daran gewöhnen, dass eine Frau ihre Kinder unterrichtet. Neben ihrer Lehrertätigkeit beginnt Maria Kubasch mit dem Schreiben. So debütiert sie 1925 mit dem Schauspiel „Chodojta“ (Die Hexe). Für sorbische Publikationen verfasst sie Novellen und Geschichten. Im selben Jahr noch zieht sie einen Schlussstrich unter ihre sorbische Episode. Als der alleinstehenden Frau Amouren angedichtet werden, übernimmt die Lehrerin eine Klasse in Pulsnitz und später in Großröhrsdorf.

Unter politischem Druck tritt die Lehrerin aber im April 1933 in die NSDAP ein. Aufgrund ihrer Nähe zur Diktatur wird sie 1946 aus dem Schuldienst entlassen. Drei Jahre später darf sie zurückkehren und bildet nun junge Lehrer aus. Darüber hinaus nimmt das Schreiben immer mehr Platz in ihrem Leben ein – vor allem nach der Pensionierung.

Allerdings schwimmt sie auch auf diesem Feld gegen den Strom. Während der junge Sozialismus agitatorische aufgemachte Gegenwartsstücke fordert, will sie große historische sorbische Stoffe verarbeiten. Über ihren Antrieb sagt sie: „Wenn ich schreibe, steht vor mir das Volk all der Dörfer um mich … Meine größte Freude war, wenn meine Bücher in ganz kurzer Zeit ausverkauft waren.“ Bis ins Alter von 86 Jahren setzt sie sich täglich an ihren Schreibtisch im Elternhaus in Quoos, von dem Ort, wo die Wanderin einst loszog, auf der Suche nach einem glücklichen und erfüllten Leben. Am 13. April 1976 verstirbt die Sorbin in Bautzen.

Buchpräsentationen
Dienstag, den 3. März 2015, 19.00 Uhr, Stadtbibliothek, Bautzen
Mittwoch, den 11. März 2015, 19.00 Uhr, Soziokulturelles Zentrum Frauenkultur, Leipzig

Buchbestellungen
Beim Domowina-Verlag

Text: Miriam Schönbach
Foto:  Archiv Domowina Verlag/ Erich Schutt

Kategorien: Andritzki, Domowina-Verlag, Literatur

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Deutsche und Sorben: Eine schwierige Partnerschaft

November 15th, 2014

Das Verhältnis von Sorben und Deutschen – heute und im Laufe der Jahrhunderte – ist Thema einer internationalen Tagung an diesem Wochenende in Bautzen. Heimat Lausitz – fremde Heimat, lautet ihr Thema. Zu der Konferenz eingeladen haben die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften und das Sorbische Institut. Mit dessen Direktor Dietrich Scholze sprach sorbenland.info über Kulturkämpfe, Assimilation und das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit.

Deutsch Sorbische Straßenbeschilderung in Cottbus

Herr Scholze, was ist für Sie Heimat?
Meine Heimat ist tatsächlich die Oberlausitz. Meine Familie kommt aus dem Bergland um Ebersbach, aufgewachsen bin ich in Bautzen. Nur das Slawistik-Studium und einen Teil meines Berufslebens verbrachte ich in Berlin. Ich bin also nie über die Spree hinausgekommen. Zurück kam ich 1992 an das Sorbische Institut. Bei meiner Ankunft verspürte ich keinerlei Fremdheit. Mit der Landschaft, der Mentalität der Menschen und der Stadt Bautzen habe ich mich sofort wieder im Einklang gefühlt.

Die Oberlausitz ist aber nicht nur Ihre Heimat. Den Landstrich und im Norden die Niederlausitz teilen sich seit über 1000 Jahren Sorben und Deutsche.
Richtig, allerdings entdeckten die Vorfahren der Sorben bereits 300 Jahre vor den fränkischen Siedlern das Gebiet zwischen Neiße und Saale. Die slawischen Stämme der Lusizer und Milzener kamen hierher spätestens in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts und lebten als Bauern oder Fischer in Sippenverbänden ohne jegliche Ambitionen, einen Staat zu gründen.

Wie weit reichte eigentlich die Heimat der sorbischen/wendischen Vorfahren?
Einzelne Streusiedlungen gab es bis hinein ins heute Fränkische und Thüringische. Nach der Völkerwanderung kamen die slawischen Stämme in ein Gebiet ohne nennenswerte Ansiedlungen. Ab 929 unterwarf Heinrich I., König des Ostfrankenreichs, sie östlich der Elbe und gründete die Reichsburg Meißen. Spätestens vier Jahre später, 933, dürften seine Soldaten auch in Bautzen eingetroffen sein. Die Milzener – Flachländer nannte das Militär die Bewohner der Region – wurden tribut-, also abgabenpflichtig.

Widerstandslos?
Sicherlich nicht, aber durch ihr Zusammenleben in kleinen Sippenverbänden ohne einen starken, gemeinsamen Anführer hatten sie kaum Chancen, ihre Interessen zu verteidigen. Die große Kolonisationswelle setzte im 12./13. Jahrhundert mit Siedlern von Westen her ein. Sie assimilierten die Ureinwohner. Außerhalb der beiden Lausitzen verschwand bis 1600 alles Slawische. Nur die Ortsnamen erinnern an diese Epoche.

Wann begann in den Lausitzen das Sorbische zu verschwinden?
Die Assimilation ist ein Phänomen der Moderne und setzte um 1800 intensiv ein. Ihr gingen zum Beispiel mittelalterliche Sprachverbote oder die Ausgrenzung von Sorben aus Handwerkerzünften voraus. Der Prozess des Angleichens ist jedoch längst nicht vorbei. In weniger als 100 Jahren gibt es hier wohl nur noch einige Familien sowie Slawisten, die die sorbische Sprache und Kultur pflegen werden.

Das sind düstere Zukunftsvisionen für das Zwei-Heimat-Land Lausitz.
Ja, aber die Beobachtung der Realität zeigt, dass wir diese Entwicklung nicht völlig aufhalten können. Um 1880 lebten 166.000 Sorben in der Ober- und Niederlausitz, 1945 waren es noch rund 100.000. Die Schätzung 1990 ergab 60.000 Sorben. Jüngste Zahlen gehen derzeit von 25.000 aktiven Sprechern hier in der Region aus. Ein sorbischer „Staat“ wäre also kaum größer als eine deutsche Kleinstadt. Der demografische Wandel und das Beispiel anderer Minderheiten bestätigen diese Prognose.

An welche Minderheiten denken Sie da?
Die Sorben teilen dieses Schicksal mit den Kaschuben in Polen, den Rätoromanen in der Schweiz oder auch den Nordfriesen, bei denen es aktuell kaum mehr 10.000 Sprecher gibt. Gleichzeitig steht dieser Werdegang auch für eine wirtschaftliche Modernisierung, für eine offene Gesellschaft. Es ist illusorisch zu denken, dass man Sorbe außerhalb der Lausitzer Heimat bleiben kann. Bei der ersten Generation, die wegzieht, klappt das noch. Schon in der zweiten Generation nehmen Sprache und Identität Schaden. Es gibt einfach zu viele gesellschaftliche Bereiche, die auf Deutsch ablaufen.

Die Gruppe der Sorben wird immer kleiner, die Gräben zwischen der Minderheit und der Mehrheit scheinen jedoch breiter denn je. Sorbische Straßenschilder werden beschmiert, deutsche Jugendliche lauern  Sorben auf. Wie erklären Sie sich das?Kulturkämpfe, zerstörte Wegkreuze, Pöbeleien gab es schon immer, allerdings erreichen sie derzeit neue Ausmaße. Erklären müsste das ein Psychologe. Ich kann nur Vermutungen anstellen. Vielleicht sind junge Menschen in der Lausitz unzufrieden mit ihrer Situation, vielleicht haben wir in Familien und Schulen verpasst,  der nächsten Generation Toleranz und Verständnis für das Andere zu vermitteln, vielleicht geht es um die Durchsetzung eigener Interessen …

Verbunden mit einer Trotzreaktion, weil sorbische Einrichtungen und Projekte durch den Staat und die Länder Brandenburg und Sachsen unterstützt werden?
Vielleicht stecken auch solche Motive dahinter. Hier zitiere ich gern ein Gleichnis: Groß gewachsene Menschen erreichen den Apfel am Baum meist ohne Probleme. Kinder oder kleinere Leute, die Minderheit, brauchen jedoch eine Leiter, um an die Früchte zu gelangen. Der Domowina-Verlag zum Beispiel könnte ohne Förderung nicht auf dem Markt bestehen, denn die Auflagen sind viel zu klein, aber notwendig für das sorbische Volk.

Gerade mit dem Miteinander der Deutschen und Sorben in der zweisprachigen Lausitz wirbt der hiesige Tourismus. Wohin geht denn dieses Miteinander?
Das Miteinander funktioniert als Dachmarke im Großen, ansonsten bleibt diese Partnerschaft in der Lausitz schwierig, schon deshalb, weil sich auch die Sorben weiter differenzieren. Die besten Möglichkeiten hat das sogenannte Kerngebiet der sorbischen Oberlausitz, die katholische Region. Zudem verkleinert sich die Heimat, die Diskussion zum Thema Kohle ist gerade im Fluss. Doch auch ohne den Braunkohleabbau ginge östlich oder nördlich von Bautzen die Assimilation, die Angleichung weiter. Alles andere bleibt Illusion.

Gespräch: Miriam Schönbach
Foto: svolks – http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Svolks

Kategorien: Sorbisches Institut, Sprache

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Märchenhaft, rockig, sorbisch – Jankahanka

Oktober 3rd, 2014

Die Band Jankahanka kombiniert alte Volksweisen mit neue Melodien. Das Ergebnis passt in keine musikalische Schublade und kommt gerade deshalb gut an.

Das Bein muss auf den Schlagzeughocker. Die E-Gitarre und der Bass liegen noch nicht gut im Arm. Nur Jan Brězan steht schon minutenlang regungslos mit dem Synthesizer auf seinem Platz. Zum Schluss rutscht noch Syman Pawlik mit der Trompete zwischen seine Kollegen von Jankahanka. Lächeln oder doch cool gucken, heißt die letzte Frage. Dann ist das Bandfoto im Kasten. Und der ersten Probe nach ein paar Wochen Pause steht nichts mehr im Weg.

Die ersten Takte klingen durch den Probenraum in der alten Grundschule von Crostwitz. An der Wand im Hintergrund lächeln Wickie und die starken Männer vom Kinoplakat. Durch die weit geöffneten Fenster klingen Anfeuerungsrufe. Die gelten freilich nicht den fünf Musikern, sondern kommen vom Fußballplatz wenige Meter entfernt. Dort trainiert an diesem Abend die SG Crostwitz.

Max Schneider klinkt die Fenstergriffe zu und setzt sich ans Schlagzeug. Geschickt fingert der 17-Jährige die Trommelstöcke aus der Tasche. Josef Brězan zupft ein paar Akkorde auf der E-Gitarre. Am Klavier sitzt sein Bruder Jan. Ebenfalls Brüder sind Bosćij und Syman Pawlik. Seit zwei Jahren spielen die Musiker in dieser Formation. (more…)

Kategorien: Musik

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Bautzener Theater-Ehe auf Probe

September 18th, 2014

Theaterfusion
Ein neuer Kooperationsvertrag zwischen dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater und dem Sorbischen National-Ensemble ist der erste kleine Schritt Richtung Fusion.

Langfristig geht es um die Fusion beider Bautzener Häuser. Mit einem Kooperationsvertrag gingen das Deutsch-Sorbische Volkstheater und das Sorbische National-Ensemble jetzt einen ersten Schritt in diese Richtung. Die Vereinbarung begründen die Träger der Institutionen – auf der einen Seite der Landkreis Bautzen und auf der anderen Seite die Stiftung für das sorbische Volk – mit immer knapperen Kassen für die Kultur. „Gleichzeitig möchten wir den hiesigen Theaterstandort festigen und die sorbische Bühnenkunst für die Region erhalten“, sagte Birgit Weber. Das Thema Theater liegt im Zuständigkeitsbereich der Beigeordnete im Bautzener Landratsamt.

Ganz konkret erwarten die Mitarbeiter beider Kultureinrichtungen in der neuen Spielzeit vorerst sanfte Annäherungen. „Besonders hinter den Kulissen wollen wir uns stärker austauschen, zum Beispiel in den Theaterwerkstätten oder bei der Technik“, sagt SNE-Intendantin Milena Vettraino. Darüber hinaus sollen sich die Ensembles bei einzelnen Produktionen gegenseitig unter die Arme greifen. So werden die Tänzer und das Orchester des Musiktheaters wieder beim Bühnenball dabei sein. Das Vogelhochzeitsprogramm könnten wiederum Schauspieler unterstützen.

Partner angeschlagen

„Dieser Vertrag zeigt eine Tür samt Türklinke auf. Wir müssen jetzt gehen und die Tür aufmachen. Das ist die einzige Chance, solange wir noch gesund sind“, sagt Theater-Intendant Lutz Hillmann. Dabei ist sein neuer, alter Partner schon leicht angeschlagen. Das Sorbische National-Ensemble musste zu Beginn des Jahres einen Haustarifvertrag abschließen. Seit 1. Januar verzichten alle Mitarbeiter auf 6,5 Prozent ihres Gehaltes. Das entspricht 400.000 Euro pro Jahr für Personalkosten. Der Theater-Chef möchte trotzdem diese kleinen Schritte gehen. Für ihn sind auch die künftig bessere Abstimmung und Koordination von Programminhalten wichtig. Denkbar sind außerdem eine gemeinsame Theaterzeitung und ein gemeinsames Ticket-Verkaufssystem.

„Wir werden alle Potentiale der Zusammenarbeit prüfen, uns auch in anderen Regionen umschauen, wie sie Lösungen für ihre Theater gefunden haben. Für diese Analyse holen wir uns externe Hilfe“, sagte Birgit Weber. Unterm Strich gehe es darum, Arbeitsplätze zu stärken und zu halten. Marko Suchy sieht in dem Kooperationsvertrag noch eine weitere Geste. „Wir wollen Vertrauen gegenüber den Entscheidungsgremien aufbauen. Bis jetzt gibt es immer noch Zurückhaltung beim Thema Fusion“, so Marko Suchy, Vorsitzender der Stiftung für das sorbische Volk. Er weiß bestens, warum mit dieser Ehe auf Probe in der Stiftung, im Landkreis und im Kulturraum geworben werden muss.

Viele Stolpersteine

Schließlich scheiterten bereits 2002/03 Vereinigungspläne zwischen Theater und Ensemble. Damals weigerte sich der Bund, mit seinem Geld ein Stadttheater zu finanzieren. Die Stiftung für das sorbische Volk erhält aktuell aus dem Bundeshaushalt 8,7 Millionen Euro, um neun sorbische Kultur- und Bildungseinrichtungen in der Ober- und der Niederlausitz zu finanzieren. Die gleiche Summe geben nochmals Brandenburg und Sachsen. Im Haushaltsentwurf 2016 des Bundes stehen auf dieser Position allerdings 500 000 Euro weniger. Damit beginnt wieder das Zittern.

Denn allein durch die Tarifsteigerungen von drei Prozent reichen die Zuschüsse schon lange nicht mehr um alle laufenden Kosten zu decken. „Wir müssen aus diesem Grund dringend 2016 ein neues Finanzierungsabkommen abschließen, dass der sorbischen Seite einen Inflationsausgleich garantiert“, sagte Marko Suchy. Erst mit diesem Vertrag in den Händen könne eine Fusion vorangetrieben werden. So werden faktisch in Berlin die Weichen für den Zusammenschluss beider Bautzener Häuser gestellt.

Schon jetzt gebe es im Stiftungsrat für die Fusion allerdings Unterstützung der sächsischen Vertreter, so Suchy. Die Brandenburger und die Mitglieder des Bundes sind noch skeptisch. „Deshalb bauen wir jetzt Ängste ab. Keiner will Häuser schließen. Wir wollen unsere Theater effizienter aufstellen“, sagte Birgit Weber. Sollte es zu einer Fusion kommen, werde es zwischen dem Landkreis Bautzen und dem Stiftung ebenfalls ein Finanzierungsabkommen geben. Schließlich brauche der Kreishaushalt Stabilität. Mit all diesen Unbekannten könnte die Ehe auf Probe vier bis fünf Jahren dauern, bevor die Träger der Institutionen „Ja“ sagen.

(Text: Miriam Schönbach)

Kategorien: Allgemein

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Fliegen und Wurzeln

Juni 17th, 2014

Brüche kennzeichnen das Leben des Lyrikers Benedikt Dyrlich. „in der falle“ heißt sein neues Buch über Leben und Poesie vor und nach der Wende.

Benedikt Dyrlich In der Falle 60 Werke aus knapp 40 Jahren versammelt der neue Gedicht- und Prosaband des Bautzener Lyrikers Benedikt Dyrlich. Auf 159 Seiten fächert der Wanderer zwischen den Sprachwelten sein widersprüchliches, lebensbejahendes und zuweilen unrealistisches Sein auf. In dem Buch aus dem Ludwigsburger Pop-Verlag nimmt Benedikt Dyrlich seinen Leser auf diese Wanderschaft mit.

Die Suche nach den richtigen Worten für den richtigen Augenblick  beginnt er bereits mit 17 Jahren. Schon damals interessiert sich der Sohn eines Tischlers und Holzschnitzers aus Neudörfel für Literatur, liest Jakub Bart-Ćišinski und Handrij Zejler   – bedeutende sorbische Dichter – genauso wie Heinrich Heine oder Johann Wolfgang Goethe. Sein lyrisches Debüt ist ein Marienlied. Es erscheint in der Wochenschrift Katolski Posoł (Katholischer Bote). Kurz vorher übrigens wird der Sorbe als Achtklässler mit der Mannschaft seiner Räckelwitzer Schule DDR-Meister im Radfahren. So Gegensätzliches findet sich immer wieder im Lebenslauf des heute 64-Jährigen. Dietrich Scholze schreibt in seinem Vorwort zum Lyrikband:
„Den jähem Wendungen in seiner Biografie verdankte er vielschichtige Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen. Die Legender seiner Heimat wurden zum Lößboden, auf dem poetische Metaphern mit universeller Bedeutung gediehen.“
Und so sucht sich Benedikt Dyrlich weiter durchs Leben. Er wird 1964 Zögling des Bischöflichen Vorseminars von Schöneiche bei Berlin und studiert im Anschluss katholische Theologie in Erfurt. Nach der ersten Hauptprüfung  verabschiedet er sich aus der geistlichen Welt und arbeitet als Krankenpfleger im heutigen Chemnitz. Nebenbei macht er das Abitur, abends an der Volkshochschule. (more…)

Kategorien: Literatur

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Sparprogramm für Bautzener Bühnen

Juni 4th, 2014

TheaterfusionDas Bautzener Theater und das Sorbische National-Ensemble (SNE) sollen enger zusammenarbeiten. Darauf drängt die Stiftung für das sorbische Volk. Hintergrund sind die finanziellen Probleme des SNE. Mit 4,5 Millionen Euro pro Jahr erhält das Musik- und Tanztheater die größte Summe aus dem Stiftungshaushalt. Dennoch sind die Kosten des Hauses aktuell nicht gedeckt. Das SNE überlebt nur dank eines Haustarifvertrags. Löhne und Gehälter für die Mitarbeiter werden um 6,5 Prozent gekürzt.

Diese Lösung wurde im April zwischen dem SNE und den Gewerkschaften vereinbart. Sie gilt bis 2016. Der Stiftungsrat stimmte dem Abschluss am Dienstag auf seiner Sitzung in Dresden zu. Zugleich forderten die Stiftungsräte Veränderungen. Die Ensemble-Leitung müsse die Zeit bis zum Auslaufen des Haustarifs nutzen. Sie könne nicht auf eine “politische Lösung” hoffen. Ohne Haustarif würden die Kosten für das Ensemble um 500 000 Euro steigen. Eine entsprechende Erhöhung des Zuschusses schloss Stiftungsdirektor Marko Suchy aus.

Vorzugsvariante ist stattdessen die Kooperation mit dem Bautzener Theater. Auch dieses wird mit Stiftungsmitteln unterstützt. Bereits zu Beginn der neuen Spielzeit werden beide Häuser eine Vereinbarung über die künftige Zusammenarbeit abschließen, kündigte Marko Suchy an.

Denkbar sind aus seiner Sicht:

  • mehrere gemeinsame Produktionen pro Jahr,
  • ein gemeinsames Marketing,
  • ein gemeinsamer Besucherservice
  • ein gemeinsamer Kartenvorverkauf
  • der Austausch technischer und künstlerischer Leistungen.

“Bedingung ist, dass die jeweiligen Maßnahmen für beide Häuser sinnvoll sind und zu Kosteneinsparungen führen”, sagte Suchy.

Zugleich verabschiedete der Stiftungsrat gestern den Haushalt für 2014. Dieser sieht Mittel von 18 Millionen Euro für die sorbischen Einrichtungen und Projekte vor. Das ist eben so viel wie im vergangenen Jahr. Eine zunächst geplante Kürzung hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages Mitte Mai gestoppt. Auf Grundlage dieser Entscheidung hob der Stiftungsrat die Sperren für zahlreiche Projekte auf.

(Text: Miriam Schönbach)

Kategorien: Deutsch-Sorbisches Volkstheater

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Sorbische Stiftung bekommt doch mehr Geld

Mai 14th, 2014

GeldAufatmen in Sachsen und Brandenburg: Die Kürzungen bei der Stiftung für das sorbische Volk sind vom Tisch. Ursprünglich war im Bundeshaushalt eine Absenkung der Mittel um 500.000 Euro vorgesehen. Da die Zuschüsse der beiden Bundesländer an die Zahlungen aus Berlin gekoppelt sind, hätte dies unterm Strich ein Minus von einer Million Euro bedeutet.

Diese Gefahr ist jedoch seit Mittwoch (14.05.2014) vom Tisch. Auf Antrag von Union und SPD beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages eine Fortführung der Förderung auf dem Niveau von 2013. Damit stehen der Stiftung erneut rund 18 Millionen Euro zur Verfügung. Zugleich regt der Haushaltsausschuss an, die Förderung der Stiftung grundsätzlich zu prüfen. So sei denkbar, diese auf institutionelle Zuwendung umzustellen, um der Stiftung mehr Planungssicherheit zu geben.

Der Vorsitzende der Domowina David Statnik zeigte sich über die Entscheidung erleichtert: “Damit hat die lange Hängepartie der vorläufigen Haushaltsführung ein Ende, in der wir nur eingeschränkt arbeiten konnten”, sagte er. Der Stiftungsrat hatte wegen der unsicheren Lage zunächst zahlreiche Projekte auf Eis gelegt.

Vor diesem Hintergrund begrüßte auch der Sorbische Künstlerbund die Entscheidung. Zugleich warnte er jedoch: Der höhere Zuwendungsbetrag dürfe nun nicht im Bereich der sorbischen Kultur- und Bildungseinrichtungen untergehen, sondern solle hauptsächlich den überregional tätigen Fachvereinen sowie neuen Initiativen und Vorhaben zugute kommen.

Die Stiftung für das sorbische Volk wurde 1991 gegründet. Sie finanziert sich hauptsächlich aus jährlichen Zuschüssen. Knapp die Hälfte des Etats trägt der Bund. Der Freistaat Sachsen ist mit 34,8 Prozent beteiligt, das Land Brandenburg mit 16,8 Prozent. Etwa 90 Prozent des Stiftungsetats werden für die Förderung sorbischer Institutionen eingesetzt. Den größten Anteil erhalten das Sorbische National-Ensemble, der Domowina Verlag und das Sorbische Institut.

Foto: © arahan – Fotolia.com

Kategorien: Sorbische Stiftung

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Haustarif soll Sorbisches National-Ensemble retten

April 10th, 2014

Gehaltsverzicht gegen Jobsicherheit – so lautet nach einem Jahr das Ergebnis der Verhandlungen am Sorbischen National-Ensemble (SNE). Am Mittwochabend verständigten sich die Gewerkschaften und die Leitung des SNE auf einen Haustarifvertrag. Dieser umfasst im Kern folgende Punkte:

  • Alle Mitarbeiter verzichten auf 6,5 Prozent ihres Gehaltes.
  • Diese Regelung tritt rückwirkend zum 1. Januar 2014 in Kraft, sie gilt bis Juli 2016.

Ist das SNE damit gerettet?

Vorerst ja. Die Insolvenz des Hauses konnte abgewendet werden. Nach Angaben der Stiftung für das sorbische Volk sinken durch den Haustarifvertrag die Personalkosten um 400.000 Euro im Jahr. Ohne diese Einsparungen hätte der Etat nur bis November gereicht. Wie SNE-Intendantin Milena Vettraino sagt, sichert die jetzt gefundene Lösung sowohl die Nachwuchsarbeit in der sorbischen Musikakademie als auch die aktuell 90 Stellen im Ensemble.

Wie bewertet die Stiftung für das sorbische Volk den Abschluss?

Positiv. Zwar hatte die Stiftung ursprünglich einen Gehaltsabschlag von neun Prozent verlangt. Zuletzt sprach Stiftungsdirektor Marko Suchy aber nur noch von 7,5 Prozent und einem Einsparbetrag von 450.000 Euro. Dieser Wert ist mit dem Abschluss am Mittwoch nahezu erreicht. Die verbleibenden 50.000 Euro sollen nun an anderer Stelle gespart werden. Das SNE nimmt Suchy von weiteren Kürzungen ausdrücklich aus. Aktuell erhält das SNE jährlich 4,5 Millionen Euro. Das entspricht einem Viertel des Stiftungsetats.

Welche Risiken bleiben dennoch?

Zum einen gehen alle Planungen davon aus, dass die sorbische Stiftung in diesem Jahr erneut über 17,8 Millionen Euro verfügen kann. Das wäre so viel Geld wie 2013. Gesichert sind bislang aber nur 16,8 Millionen Euro, da der Bund seinen Zuschuss senken will. Die Entscheidung darüber fällt erst im Juni. Bleibt es dann bei der Absenkung des Etats, drohen dem SNE erneut erhebliche Einschnitte. „Und auch allen anderen sorbischen Einrichtungen steht dann ein heißer Herbst bevor“, warnt der Stiftungsdirektor

Zum anderen bleibt offen, wie es nach dem Auslaufen des Haustarifvertrages weitergeht. Theoretisch gilt dann wieder der reguläre Tarifvertrag. Die Folge wäre ein extremer Sprung bei den Personalkosten. Denn zu den 6,5 Prozent Gehaltsverzicht addieren sich dann alle auch Tarifsteigerungen der Jahre 2014 bis 2016.

Kategorien: Sorbisches National-Ensemble

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Alojs Andritzki – “Auf Händen gehen”

April 9th, 2014

Über 50 Darsteller aus dem Bautzener Theater und dem Sorbischen National-Ensemble zeigen das ungewöhnliche Leben des Märtyrers Alojs Andritzki.

Chodźić po rukomaj Auf Händen gehen

Der Raum ist karg. Mittendrin sitzt auf einem schlichten Stuhl Alojs Andritzki. Zwei Männer der Gestapo verhören den katholischen Geistlichen. “Einen wie Sie – redegewandt, sportbegeistert, charismatisch – könnten wir gebrauchen – als Jugendführer oder Pilot. Arbeiten Sie für uns, dann sind Sie frei”, sagt einer. Doch er bekommt nur einen verständnislosen Blick. Mit fester Stimme sagt der Verhörte: “Für mich gibt es nur einen Führer. Das ist Gott.” Es ist der 2.Oktober 1941. 16 Monate später stirbt der Häftling mit der Nummer 27829 durch die Todesspritze im KZ Dachau.

Den ungewöhnlichen Lebensweg des sorbischen Priesters bringen jetzt das Deutsch-Sorbische Volkstheater und das Sorbische National-Ensemble (SNE) gemeinsam auf die Bühne. Anlässlich des 100. Geburtstags von Alojs Andritzki feiert am 12. April das musikalische Drama “Chodźić po rukomaj – Auf Händen gehen” im Bautzener Schauspielhaus Premiere. Die Musik schrieb der Cottbuser Komponist Ulrich Pogoda, die Texte verfasste Jěwa-Marja Čornakec. Die sorbische Autorin hat eine besondere Beziehung zu dem gebürtigen Radiborer. “Mein Vater und Alojs Andritzki waren Cousins. Meine Großmutter bewahrte seine Briefe aus dem KZ in einer alten Kommode auf”, sagt die Librettistin. Vor sieben Jahren begann sie sich dann näher mit dem entfernten Verwandten zu beschäftigten, las alles von und über ihn. Im Stück verarbeitete sie Biografisches, gleichzeitig fügte sie Fiktives hinzu. “Theater braucht Widersprüche. Das macht die Figur größer”, so die Autorin. Alojs Andritzki (1914-1943) ist der erste seliggesprochene Geistliche im Bistum Dresden-Meißen.

Eingebettet sind die zwölf Bilder in die Musik von Ulrich Pogoda. “Das Werk hat eine große Tiefe, es gleicht großen Passionsmusiken”, sagte SNE-Intendantin Milena Vettraino. Sie bringt neben dem Orchester unter der Leitung des Dirigenten Dieter Kempe auch ihren Chor mit. Unterstützt wird er vom Chor Budyšin. Insgesamt stehen über 50 Darsteller in der Regie von Lutz Hillmann auf der Bühne: “Andritzki ließ sich seine Meinung und den Glauben nicht verbieten. Das Schicksal nahm er als Prüfung. Selbst im KZ war er noch Spaßmacher und organisierte die Weihnachtsfeier. Andritzki hat uns bis heute viel zu erzählen”, sagt Bautzens Theater-Intendant.

(Text: Miriam Schönbach)

Kategorien: Andritzki, Deutsch-Sorbisches Volkstheater

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Letzte Chance für das Sorbische National-Ensemble

April 6th, 2014

Am 7. April verhandeln Gewerkschaften und Stiftung für das sorbische Volk letztmals über einen Haustarifvertrag für das Sorbische Nationale-Ensemble (SNE) in Bautzen. Die Stiftung drängt auf eine Absenkung der Löhne und Gehälter um 7,5 Prozent. Kommt es nicht zu einer Einigung, so ist die Insolvenz des Musik- und Tanztheaters kaum noch abzuwenden. Wie Stiftungsdirektor Marko Suchy im Gespräch mit sorbenland.info sagt, ist das Geld für das SNE Mitte November definitiv alle.

Logo Sorbisches National-Ensemble Geld
Herrr Suchy, ist das Sorbische National-Ensemble noch zu retten?
Die Verhandlungen über einen Haustarifvertrag laufen seit über einem Jahr, am 7. April sitzen wir hoffentlich zum letzten Mal mit den Gewerkschaften zusammen. Das SNE sichern wir nur mit der Lohnabsenkung von etwa 7,5 Prozent. Es gibt keinerlei Rückstellungen mehr. Scheitert der Haustarifvertrag, ist Mitte November das Geld für das Sorbische National-Ensemble alle.

Und dann?
Dann müssten wir für das Sorbische National-Ensemble Insolvenz anmelden. Ich lege dem Stiftungsrat am 25. Mai die Ergebnisse der Verhandlungen vor, dann sehen wir weiter.

Noch ist nicht klar, wieviel Geld der Stiftung 2014 zur Verfügung steht. Aktuell stehen 16,8 Millionen Euro im Etat – eine Million Euro weniger als 2013. Noch laufen jedoch Gespräche mit dem Bund über eine Wiederaufstockung der Mittel. Würde diese zusätzliche Million dem SNE helfen?
Nein, die Verhandlungen mit den Gewerkschaften führe ich unter der Maßgabe, dass diese Mittel kommen. Beim Ensemble muss der Haustarifertrag abgeschlossen werden. Helfen würde uns im jährlichen Zuschuss des Bundes und der Länder ein Inflationsausgleich von zwei Prozent.
Mit 90 Beschäftigten und einem Etat von 4,5 Millionen Euro ist das Sorbische National-Ensemble die größte sorbische Einrichtung. Gesellschafter der SNE GmbH ist die Stiftung für das sorbische Volk. Der Zuschuss entspricht einem Viertel des Stiftungsetats. Bereits 2011 beschloss der Stiftungsrat ein umfassendes Sparprogramm. Dieses umfasste unter anderem die Streichung von 20 Prozent der damals 107 Stellen. Trotz dieser Kürzungen deckt der aktuelle Etat nicht die Kosten des Ensembles. Deshalb verhandelt die Stiftung mit den Gewerkschaften über einen Haustarifvertrag.
Das heißt aber, dass das Sorbischen National-Ensemble aufgelöst wird, während gerade knapp 1,4 Millionen Euro in den Umbau der Spielstätte gesteckt werden.
Erstens ist es noch nicht so weit mit der Auflösung, und zweitens ist der Umbau trotzdem richtig. Denn es wird immer eine Art Sorbisches National-Ensemble geben müssen.

Was heißt das konkret?
Man könnte zum Beispiel über ein Stagione-Haus nachdenken, ohne festes Ensemble, nur mit einer künstlerischen Leitung. Andocken würde ich dieses Haus an das Bautzener Theater. Die Baumaßnahmen im SNE finanzieren wir zudem fast zu 100 Prozent aus anderen Mitteln, wie dem Mauerfond des Bundes, der Städtebauförderung über die Stadt Bautzen und einen Sonderzuschuss des Freistaats Sachsen.

Trotzdem gibt es Proteste und Kritik. Viele sorbische Projekte können wegen des vorläufigen Haushalts nicht finanziert werden oder warten auf Geld. Können Sie angesichts der aktuellen Situation überhaupt noch ruhig schlafen?
Ich bin seit 23 Jahren Stiftungsdirektor und habe gelernt optimistisch zu sein. Natürlich hoffen wir, dass uns der Bund und die Länder Sachsen und Brandenburg wieder 17,8 Millionen Euro geben. Die Entscheidung fällt voraussichtlich Anfang Juni. Solange gilt die vorläufige Haushaltsführung. Damit verbunden ist, dass wir nur gesetzliche Pflichten, wie Lohn und Mieten, bezahlen. Ich habe Verständnis für den Protest, uns sind jedoch die Hände gebunden.

(Gespräch: Miriam Schönbach)
(Foto: Sorbisches National-Ensemble/ © arahan – fotolia.com)

Kategorien: Sorbische Stiftung, Sorbisches National-Ensemble

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Das Sorbische Kulturlexikon – ein Jahrhundert-Projekt

März 29th, 2014

Was ist der Wendenpfennig? Seit wann gibt es sorbische gedruckte Bücher? Wie entstand der Krabat-Mythos? Diese Fragen beantwortet das neue Sorbische Kulturlexikon. Anläufe für solch ein umfassendes Nachschlagewerk gibt es bereits seit 100 Jahren. Vollendet wurde es erst jetzt. Über die Bedeutung des Projekts und seine lange Entstehungsgeschichte sprach sorbenland.info mit den Herausgebern Dietrich Scholze und Franz Schön vom Sorbischen Institut.

Dietrich Scholze (rechts) und Franz Schön vom Sorbischen Institut Bautzen mit dem neuen Sorbischen Kulturlexikon

Das Sorbische Kulturlexikon umfasst 230 Stichwörter und 750 Abbildungen. Warum brauchen die Sorben ein solches Nachschlagewerk in deutscher Sprache?
D.S.: Jedes Volk braucht ein eigenes Lexikon. Es wurde höchste Zeit, dass die slawische Minderheit in Deutschland ein solches Kompendium erhält. Dieses Buch zeigt, welche Leistungen die Sorben erbracht haben – in der Geschichte, der Literatur, im Theater, in der Kunst und auf vielen anderen Gebieten. Es ist ein Schaufenster des sorbischen Lebens seit der Einwanderung im 7. Jahrhundert bis zu den aktuellen Sorben-Gesetzen in Sachsen und Brandenburg.

An wen richtet sich die neue Publikation aus dem Sorbischen Institut?
D.S.: Dieses Buch möchten wir gern unseren deutschen Nachbarn widmen, denn der größte Feind der Sorben ist die Unwissenheit.
Bringen Sie mal ein Beispiel für Unwissenheit?
D.S.: Unlängst kaufte ich ein mehrbändiges Nachschlagewerk. Unter dem Stichwort Domowina fand ich folgenden Schlusssatz: Die Domowina ist seit 1992 Bestandteil der Stiftung für das sorbische Volk. Das ist falsch, doch dieses ZEIT-Lexikon findet sich garantiert in vielen Bücherregalen. So könnte ich weitere Irrtümer aufzählen. Adressaten des Lexikons sind also alle, die sich für sorbische Kultur, Sprache, Geschichte und Gegenwart interessieren. Übrigens ist die halbe Auflage schon verkauft oder vorbestellt.

Cover Sorbisches Kulturlexikon Das Interesse ist also hoch. Warum fehlte bisher eine sorbische Enzyklopädie?
F.S.: Ich denke, weil es eine riesige Aufgabe war. 80 Autoren trugen das verstreute Wissen über die Sorben zusammen. An den knapp 600 Seiten arbeiteten wir fast zehn Jahre, zuletzt in enger Kooperation mit dem Verlag und der Gestalterin. Das heißt aber nicht, dass noch nie über ein solches Lexikon nachgedacht wurde. Es gab mehrere Anläufe, allerdings kam immer wieder etwas dazwischen, meistens die Politik.

Wer machte sich als Erster Gedanken über ein Nachschlagewerk zur Kultur,
Geschichte und Sprache der Lausitzer Sorben?

F.S.: Der tschechische Sorabist Josef Páta schlug 1934 erstmals vor, ein mehrbändiges Handbuch herauszugeben, um „unrichtige und veralteten Auffassungen“ über die Sorben (Wenden) und die Lausitz zu korrigieren.
D.S.: Er meinte zum Beispiel die damals weit verbreitete Meinung, dass die Wenden ein deutscher Stamm seien und die slawische Sprache nur angenommen hätten. Im Nationalsozialismus baute man ihnen diese „goldene Brücke“ mit Hintergedanken.

So liegt nun – so könnte man sagen – ein Jahrhundertwerk vor Ihnen.
D.S.: Ja, und gleichzeitig ein Lebenswerk und der Höhepunkt unserer 40-jährigen Arbeit als Wissenschaftler. Wir haben als Herausgeber versucht, allen Bereichen und Landschaften gerecht zu werden, Ober- und Niederlausitz sowie beide sorbischen Sprachen gleichermaßen zu berücksichtigen. Auch den Unterschied zwischen Sorben und Wenden erklärt ein Stichwort.

Apropos Stichwörter: Haben Sie ein Lieblingsstichwort?
D.S.: Ich finde das Stichwort Spree sehr schön, denn die Spree ist der Fluss meines Lebens. Ich habe immer an der Spree – in Bautzen, Berlin und wieder in Bautzen – gelebt, schon meine Großeltern sind an der Spree bzw. der Spreequelle geboren. Dieser zentrale Fluss ist im Buch lehrreich beschrieben.
F.S.: Schadźowanka ist für mich ein einprägsames Stichwort geworden. Das jährliche Treffen der sorbischen Studenten findet seit 1875 statt. Es gibt einige Berichte über die Anfänge, aber für ein Gesamtbild mussten wir in Archiven und alten Publikationen suchen. Diese Recherche forderte übrigens bei einigen Stichwörtern viel Zeit. Ein großer Dank geht deshalb an alle unsere Mitautoren und -autorinnen.

Bei 80 Mitwirkenden gab es doch sicher auch Meinungsverschiedenheiten.
Welche Themen lösten Kontroversen aus?

D.S.: Kontroversen lösten manche politischen Stichwörter aus. Die Rolle der Sorben im Nationalsozialismus  – ob Gegner oder Mitläufer – ist differenziert zu bewerten, ähnliches gilt für die DDR-Zeit. Doch selbst bei den Bräuchen mussten wir bisweilen verschiedene Meinungen unter einen Hut bringen, zum Beispiel existieren mehrere Auffassungen über die Entstehung des Hexenbrennens.

Sie sagten, das Lexikon sei ein Höhepunkt ihrer 40-jährigen Arbeit als Sorabisten.
Finden denn Sie beim Blättern auch noch neues Wissen?

F.S.: Ganz klar, da fällt mir gleich die sorbische Hochzeit ein. Vom rituellen Ablauf
im Einzelnen bis hin zu den traditionellen Formen einzelner Regionen hätte ich nicht alles gewusst.
D.S.: Überraschend für mich war zum Beispiel, wie viele Wendenstraßen es in ganz Deutschland gibt, auch im Westen. Sie sind in über 30 Städten und zahlreichen Dörfern zu finden. Diese Verbreitung bildet natürlich die Siedlungsgeschichte ab. Die Sorben sind die Ureinwohner vieler Landstriche, ohne dass sie daraus Sonderrechte ableiten wollen. Es lohnt sich also im Buch zu blättern, einfach um zu schmökern oder um etwas nachzuschlagen. Denn dazu ist ja schließlich ein Lexikon da.

Gespräch: Miriam Schönbach
Foto: Robert Michalk

Sorbisches Kulturlexikon
Herausgegeben von Franz Schön und Dietrich Scholze,
unter Mitarbeit von Susanne Hose, Maria Mirtschin und Anja Pohontsch
580 S., über 700 Abb. u. Kt., Hardcover
ISBN 978-3-7420-2229-5
Preis: 49,00 Euro

Hier können Sie das Buch bestellen: Domowina Verlag

Kategorien: Domowina-Verlag, Literatur, Sorbisches Institut

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Knappes Rennen um SNE-Intendanz

Januar 30th, 2014

sne-vettraino-hillmann

Für weitere drei Jahre leitet Milena Vettraino das Bautzener Ensemble.
Die Aufgaben sind immens – denn die Zukunft des Hauses bleibt ungewiss.

Drei Stunden lang beriet der Stiftungsrat, dann stand fest: Milena Vettraino bleibt Intendantin des Sorbischen National-Ensembles (SNE) in Bautzen. Für weitere drei Jahre wird sie das Drei-Sparten-Haus führen.  So hat es das höchste Gremium der Stiftung für das sorbische Volk heute in einer Sondersitzung entschieden.

In den Tagen vor der Sondersitzung hatten sich die Spekulationen noch einmal überschlagen. Denn Vettraino war nicht die einzige Kandidatin. So bewarb sich unter anderem auch der Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, Lutz Hillmann. Dieser kündigte an, im Fall seiner Wahl beide Posten übernehmen zu wollen – mit dem Ziel einer besseren Zusammenarbeit von Theater und Ensemble.  „Gut informierte Kreise“ wollten freilich schon vor Tagen wissen, dass Hillmann “sicher aus dem Rennen” sei. War es Stimmungsmache? Oder waren bewusste Kreise doch nicht so gut unterrichtet?

Fakt ist, dass sich am Ende sowohl die Intendantin als auch der Intendant in der näheren Auswahl befanden. Beide Bewerber stellten dem Stiftungsrat nochmals ihre Konzepte vor. Mit einer knappen Mehrheit entschied sich der Stiftungsrat schließlich für Milena Vettraino.

Die jetzige SNE-Chefin nennt als Schwerpunkte ihres Konzepts die Präsenz in der Region, die künstlerische Nachwuchsarbeit und eine ausgewogene Mischung von Tradition und Moderne. So soll in der Spielzeit 2014/15 „Wodźan“ (Der Wassermann) von Jan Paul Nagel uraufgeführt werden. Das Werk gilt als sorbische Nationaloper.

Die zweifache Mutter leitet die sorbische Kultureinrichtung seit 2010. Sie folgte damals dem Intendanten Wolfgang Rögner, dessen Vertrag wegen massiver Differenzen um die künftige Ausrichtung vorzeitig gekündigt wurde.

Leicht wird die Aufgabe für die wiedergewählte Intendantin indes nicht: Das SNE steckt in einer äußerst schwierigen Lage. Die Leitung verhandelt seit 2013 mit den Gewerkschaften über einen Haustarifvertrag. Trotz eines Budgets von 4,5 Millionen Euro droht dem Haus in diesem Jahr ein Finanzloch von 450 000 Euro. Dieses soll durch Abstriche bei den Gehältern in Höhe von neun Prozent ausgeglichen werden. Die Gespräche verliefen bislang jedoch ergebnislos. Aus Sicht der Gewerkschaften sind maximal fünf Prozent Lohnverzicht drin.

Aktuell beschäftigt das SNE noch 89 Mitarbeiter. 18 Stellen wurden seit abgebaut. Kommt es nicht zu einer Einigung, erwägt die Stiftungen weiter drastische Einschnitte bis hin zur Abwicklung einer gesamten Sparte.

(Text: Miriam Schönbach/ Fotos: Theater Bautzen, SNE)

Kategorien: Sorbische Stiftung, Sorbisches National-Ensemble

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Drohen neue Entlassungen am SNE?

Dezember 4th, 2013

Wer führt ab Sommer 2014 das Sorbische National-Ensemble? Fünf Bewerber stellen sich in dieser Woche in Bautzen vor, darunter der Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, Lutz Hillmann, und die bisherige Ensemble-Chefin Milena Vettraino (mehr dazu hier). Ihr Vertrag läuft zum Ende der Spielzeit aus. Deshalb war die Leitung des Tanz- und Musiktheaters neu ausgeschrieben worden. Seit Montag prüft eine Auswahlkommission die Konzepte der Bewerber. Die Entscheidung über die künftig Ensemble-Leitung fällt voraussichtlich im Januar, auf einer Sondersitzung des Rates der Stiftung für das sorbische Volk.

Wer immer dann das Rennen macht: Sie oder er müssen sich auf schwere Zeiten einstellen. Denn die wirtschaftliche Lage des SNE spitzt sich immer mehr zu. Dabei ist das Haus noch nicht einmal von den aktuellen Kürzungsplänen betroffen. Im Gegenteil, das Musik – und Tanztheater bekommt 2014 mehr Geld: Der Zuschuss der Stiftung steigt um 100.000 Euro auf 4,5 Millionen. Das ist ein Viertel des Stiftungs-Etats.

Doch die Gelder reichen nicht: Dem Musik- und Tanztheater fehlt pro Jahr eine halbe Million Euro. Nach dem Rauswurf von Ex-Intendant Wolfgang Rögner wurde zwar ein straffer Sanierungskurs verkündet, allerdings erwies sich dieser als nicht umsetzbar. So hatte der Stiftungsrat 2010 beschlossen, 27 der 107 Stellen zu streichen. Offenbar ein reines Zahlenspiel, ohne ausreichende juristische Basis. Viele Kündigungen wurden deshalb vom Arbeitsgericht kassiert. Aktuell beschäftigt das SNE 90 Mitarbeiter. (more…)

Kategorien: Sorbische Stiftung, Sorbisches National-Ensemble

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